Ihr führt mich in Versuchung

 

Das Internet macht dick. Mehr denn je. So richtig ist das bloß aufgefallen, denn viele, die beruflich vor dem Monitor hocken, verbringen ihre gesamte Freizeit damit, Fett in Muskelmasse zu verwandeln. Deren digitale Lebenszeichen bestehen dann größtenteils aus körperlichen Leistungsnachweisen: Runtastic-Tweets oder Schwitzbildern vom Halbmarathon. 


Mir ist sowas zu anstrengend. Stattdessen habe ich meinen Kuchen-und Gummibärenverbrauch runtergefahren. Das erfordert zwar Willenskraft. Man bekommt es aber hin, wenn man sämtliche Versuchungen aus dem Blickfeld räumt. 


Das klappt inzwischen nicht mehr. Seit ein paar Wochen bekomme ich nämlich bei fast jeder Webseite Süßigkeitenwerbung eingeblendet. „Wir verwenden Cookies“ jubelt es mir allerorten entgegen. Facebook läßt mich gar nicht mehr rein, weil ich im Browser „die Cookies“ deaktiviert habe. 


Cookies, diese wohlschmeckenden, runden Dinger, die gegen Unterzuckerung helfen und dem Leben die fehlende Süße verleihen… Die Begierde droht mich zu übermannen. Bei Rewe kann ich mir die 100-Gramm-Packung Butter-Cookies doch für 3,26 € bequem bestellen und nach Hause liefern lassen. Mein Klickfinger juckt extrem. Das ist Folter, ihr Pfosten! 


Natürlich, im Kopf weiß ich, dass die nervenden Pop-Up-Fenster wegen der neuen Datenschutzbestimmungen eingebaut wurden und dass es sich bei den erwähnten Cookies um kleine Datenpakete handelt, mit denen die Seitenbetreiber ein bisschen mehr über mich erfahren wollen.  


So deppert bin ich auch wieder nicht. 


Aber diese Schnüffelei hatte ich eigentlich über die erwähnten Browsereinstellungen wunderbar im Griff. Dass mir die europäischen Datenschützer nun derart massive Anfechtungen eingebrockt haben, lässt für mich daher nur einen Schluss zu: 

Die EU steckt mit der Zuckermafia unter einer Decke.