WhatsApp und der Griff ins Klo

 

„Nein, ich bin nicht bei WhatsApp!“ Jahrelang konnte ich das stolz verkünden. Verknüpft habe ich das immer mit einer Warnung vor der Übernahme der Weltherrschaft durch Mark Zuckerberg verknüpft.  Auch argumentativ habe ich da gerne alle Register gezogen. Sogar der Ratschlag eines gewissen Epikur kam zum Einsatz: λάθε βιώσας  Während nämlich andere irgendwelche Fremdwörter oder Zitate von Dieter Nuhr auswendig lernen, sich eine Lesebrille auf die Nase packen oder Zeige- und Mittelfinger so an die Schläfe drücken, dass es aussieht, als würden sie denken, habe ich mir diese zwei griechischen Worte gemerkt, die auf Deutsch übrigens „Lebe im Verborgenen!“ bedeuten.


„Der Depp kann Griechisch“, schallte es dann oft erstaunt zurück. Den derart Beeindruckten log ich dann vor, ich hätte jede Menge Epikuräer in meinen Telefonkontakten und die würden Wert darauf legen,  ihren Grundsätzen treu bleiben  zu dürfen. Wenn ich dem Facebookkonzern, dem WhatsApp mittlerweile gehört, die Daten aus meinen Telefonlisten übereigne, dann sei es nämlich vorbei mit der Verborgenheit. Geholfen hat das alles leider wenig. Nicht einmal meine Verwandschaft mochte meine Bedenken gegenüber dem Messengerdienst teilen und hat mich inzwischen gezwungen, WhatsApp beizutreten, wenn ich mit ihr weiter in Kontakt bleiben will.


Kaum hatte ich mich zähneknirschend angemeldet, hat  ein deutsches Gericht (Bad Hersfeld) festgestellt: Ich habe mich strafbar gemacht. Genau wie fast alle anderen WhatsApp-Nutzer. Wir hätten nämlich erstmal das schriftliche Einverständnis unserer Telefonkontakte einholen müssen ehe wir deren Daten dem Zuckerberg-Imperium übereignen.


Oweh! Nicht einmal auf Unwissenheit herausreden kann ich mich da. Höchstens (auch auf diesem Weg) um Entschuldigung bitten und darauf hoffen, dass mich keiner meiner Kontakte vor Gericht zerrt.


Wie blöd darf man sein? Und dass das ausgerechnet mir, dem Möchtegern-Epikuräer passiert! Vielleicht sollte ich es auch lieber mit Dieter Nuhr probieren.