Ein letzter Altherrenwitz

 

Die Welt ein bisschen freundlicher machen, das ist auch mein Begehr. Bei Facebook räume ich deshalb öfters mal mit Hasskommentaren auf. Das kann man durch Klicken auf das Verbergen-Kreuz oben rechts. Dann wird das an jenes 150köpfige Team weitergereicht, das im Auftrag von Facebook üble Kommentare löschen soll. Bei mir waren sie bisher leider etwas reserviert. Vielleicht bedeutet bei denen Hass was anderes.


Unterkriegen lasse ich mich trotzdem nicht. Selbst im realen Leben habe ich dem Hass den Kampf angesagt. Erst neulich traf ich mich mit ein paar betagten Säcken um die Beschwernisse des Alters mit alkoholhaltigen Getränken zu lindern. Nachdem einige Minuten keiner mehr ein Wort gesagt hatte, versuchte ich das Schweigen mit folgendem Witz zu beenden: „Zwei alte Herren treffen sich. Der eine erzählt, er habe ein neues Hörgerät, das super funktioniere. Daraufhin fragt der andere, was es denn gekostet habe.  Daraufhin antwortet der andere: dreiviertel drei.“


Nachdem das Gelächter nicht gerade überschwänglich ausfiel, merkte ich an, dass ich diesen Witz nicht von ungefähr gewählt hätte. Altherrenwitze seien bald verboten Unsere Bundesfamilienministerin habe nämlich angekündigt, gegen sie vorgehen zu wollen.


„Das ist doch diese Manuela Dingsbums, diese Sozenschlampe!“, sprang plötzlich mein schon halb weggenickter Tischnachbar auf. „Genau, die Schwesig, die dumme Fotze!“, ergänzte mein ehemaliger Schulkamerad.


Weil sich gerade die Wirtin zur neuerlichen Bestellungsaufnahme näherte, schrie ich: „Hatespeech, ich muss das melden!“ Sie schaute mich entgeistert an und fragte, was ich denn wolle. „Löschen, blockieren, ähm Lokalverbot, unternehmen Sie doch was!“  „Weswegen denn?“ „Die haben unsere Familienministerin aufs Übelste beleidigt“, sage ich und zeige auf die beiden Hater. „Die Schwesig?" fragte sie. "Der haben sie doch ins Hirn geschissen“. Dann fügte sie hinzu, ich solle mal „runterkommen“. Das hier sei eine Kneipe und nicht das Internet. „Hier geht es kultiviert zu.“