Emoji-Übersetzungsfehler

 

Ich bin zu alt für den Scheiß! Normalerweise werde ich im Netz mit Texten traktiert. Also mit Buchstaben, die dem Alphabet entstammen, das ich mir vor langer Zeit mit Hilfe der Micky Maus erarbeitet habe. Ab und zu war den Buchstaben ein Smiley oder ein Zwinkergesicht beigefügt, damit ich den Text nicht versehentlich auf die Goldwaage lege. Jetzt bekam ich allerdings eine Nachricht, die bestand nur aus grinsenden Gesichtern, kleinen Männchen, Blumen, Herzchen, diversem Geschirr und Besteck. Ich stand mit meinem Fragezeichengesicht davor und dachte: Was will mir der Autor damit sagen? Soll ich etwa meinen Abwasch machen und woher weiß er, dass sich der in der Spüle türmt?  Und überhaupt: Das geht den doch einen feuchten Dreck an, ob ich meinen Abwasch mache.


Um ihm in seiner Sprache zu antworten, machte ich mich auf die Suche nach diesen seltsamen Zeichen. Emojis heißen die, erfuhr ich Mehr als 700 sind es mittlerweile. Sogar für Künstler gibt es eigene Emojis. Schiller hat beispielsweise eine Glocke, Kafka einen Käfer und die Kombination Sonnenblume und Ohr verweist auf van Gogh. Für den Emoji-Autor mit dem Abwasch fand ich schließlich ebenfalls das Passende: eine Faust und den Stinkefinger. Die postete ich ihm. Gerechte Strafe für sein Abwaschgeschmarri. Selbstredend verzichtete ich auf altmodisches Beiwerk aus dem Alphabet. Er hat es so gewollt.


Wenig später erhielt ich einen Anruf, ob ich noch ganz sauber und schon beim Arzt gewesen sei? Und ob ich jedem, der mir zum Geburtstag gratuliert, Schläge androhe. „Geburtstag?“ stammelte ich. „Dann muss ich da wohl was missverstanden haben.“


Ich fürchte, ich habe jetzt einen Freund weniger. Wie gesagt: Ich bin zu alt für diesen Scheiß!