Es sind nur ein paar Buchstaben. Doch richtig gelesen ziehen sie dir den Boden weg!

 

Meine Freunde sind auch nicht unbedingt die Hellsten. Aber auf Facebook versorgen sie mich oft mit allerhand Unterhaltendem. Mit Videos von verkleideten Hunden zum Beispiel, mit Entenküken, die über eine viel befahrene Autobahn watscheln, mit Kajakfahrern, die auf Wale treffen oder einen Obdachlosen, der seinen Eimer an Straßenmusiker verleiht. Viele der Videos kenne ich schon, aber weil die meistens aus 2 Sätzen bestehenden Überschriften vorgeben, das Anschauen würde mein Leben verändern oder mir den Glauben an die Menschheit zurückgeben, klicke ich halt nochmal drauf. Kostet ja nichts! Außerdem will ich meine Freunde nicht enttäuschen und schuld sein, wenn sie ihren mühsam zurückgewonnenen Menschheitsglauben gleich wieder verlieren.


An die Videos kommen inzwischen auch wir Minderbemittelten leicht heran. Über die Seite heftig.co. Zwei Potsdamer haben ein Supergeschäftsmodell entdeckt, indem sie alten Plempel mit herzzerreißenden Überschriften zu Klickmonstern machen. Damit haben sie es in Deutschland zur meist geklickten Internet-Plattform gebracht. Andere beschäftigen dagegen ganze Kohorten von Jungjournalisten und schaffen es nicht mal in die Top 100.


Kein Wunder, dass  heftig.co Nachahmer findet. Aus der guten alten Sommermeldung „Exhibitionist aufgetreten“ wird dann bei der örtlichen Lokalpostille schon einmal: „Frau trifft Mann. Was sie danach sehen musste, entsetzte sie zutiefst.“  Aus einem Beide-hatten-angeblich-Grün-Unfall wird: „Vollcrash! Sie werden nicht glauben, welche Ausreden der Polizei aufgetischt werden.“ Selbst ein belangloses Ereignis in Fernost wird  plötzlich brandheiß: „Chinese lie ß Sack Reis stehen. Es wird Sie überraschen, was dann passierte.“


Inzwischen gibt es bei Facebook Spielverderber, die den Gag verraten und Heftig.co so um die Klicks bringen. „Der ist halt umgefallen“, schreiben sie dem Minderbemittelten in sein Facebook.


Mich können solche Spaßbremsen freilich nicht beirren. Das wollte ich schon immer mal sehen, wie ein Sack Reis umfällt. Dauernd liest man davon. Aber, Hand aufs Herz, gesehen hat das doch noch keiner von uns.