Kauf dir halt was Neues!

 

Wahrscheinlich hätte man ihn noch reparieren können. Aber gehen Sie mal mit einem 12 Jahre alten Laptop zu einem PC-Bastler. Der grummelt nur: Kauf dir halt was Neues! 12 Jahre ist für einen Computer so alt wie 120 Jahre für einen Menschen. Mindestens. Mit so was schließt man keine Leasingverträge mehr ab.


Dabei war mein alter bis zu seinem plötzlichen Ableben noch voll auf Zack. Gut, ich habe eine WLAN-Karte nachgerüstet und Arbeitsspeicher. Aber sonst: Ich konnte Texte schreiben, ins Internet... Das teuer erworbene Photoshop lief noch oder all die netten Zeitvertreiber, die sich ohne Netzzugang und Steam-Mitgliedschaft spielen ließen.  Und geklaut hat einem das verkratzte Ding auch keiner. Im Wirtshaus konnte ich es liegen lassen, wenn ich aufs Klo musste. Manchmal kam sogar ein den Neuerungszwängen erlegener Zeitgenosse vorbei und schwärmte mit traurigen Augen: „Ach, so einen hatte ich auch mal.“


Die Trauer kann ich nachvollziehen. Neu heißt nämlich nicht unbedingt verbessert. Nur anders und komplizierter. Allein um meinen Notebook-Nachfolger überhaupt in Betrieb nehmen zu können, musste ich beispielsweise jede Menge blöder Fragen beantworten. Wie lautet der Geburtsname deiner Großmutter? Hä? Was war dein erstes Haustier?  Ich habe in meiner Jugend Massentierhaltung mit Ameisen betrieben, aber geht euch das was an? Was war dein Lieblingsessen als Kind? Hmm, schreibt man jetzt Grießbrei mit scharfen S oder mit zwei S? Scheis-Rechtschreibreform!


Und so ging es dann noch eine Weile weiter. Sicherheit kann man gar nicht groß genug schreiben. Ganz nebenbei legte ich damit einer, sich erfolgreich ums Steuerzahlen drückenden, Computerfirma auch noch mein ganzes Leben offen. Und warum? Nur damit ich meine ID wieder herstellen kann, wenn ich mal das Passwort vergessen habe. Das kann ich aber schon deshalb kaum vergessen, weil ich es jedes Mal brauche um diesen ultraflachen und aus gebürstetem Aluminium gefertigten Laptop überhaupt in Gang zu setzen. Wenn ich nur zwei Minuten nichts tippe, geht das Teil in den Ruhezustand und das Passwort muss neu eingeben werden. Wie soll ich das da vergessen? Da vergesse ich höchstens mich.


Doch selbst wenn es mir einmal aus irgendwelchen Gründen entfallen sein sollte: Bis dahin weiß ich dann doch erst recht nicht mehr, welchen meiner früheren Spitznamen ich bei der Abfragerei eingetragen habe und ob es wirklich Grießbrei war, den ich als Kind geliebt habe. Ich mochte nämlich damals auch Pudding und Linsenpampe.


Deshalb ein guter Rat für alle, die geduldig bis hierher weitergelesen haben: Pflegt eure Altgeräte, es kommt nichts Besseres nach!