Nummer 0 statt Nummer 1

 

Meine Altersmilde nervt mich manchmal selber. Neulich bin ich gutgläubig auf einen SEO-Experten reingefallen. Der hatte mich mit dem Spruch geködert: „Ich mache dich zur Nummer 1!“ Nummer 1 sein, das wollte ich immer schon mal. Zumal wenn die Eigenleistung nicht groß ist. Ich sollte lediglich einen HTML-Code in meine Homepage einbauen. Den Code, wurde mir gesagt, bekäme ich für kleines Geld, exklusiv auf mich zugeschnitten.


Regelmäßige Leser dieser Kolumne wissen: Ich befinde mich in einem erbitterten Kampf mit einem US-Schauspieler um die Google-Poleposition beim gern gesuchten Keyword „Depp“.  Johnny Depp hat mich da in den letzten Jahren leider ziemlich deklassiert. Zuletzt war ich nur noch irgendwo zwischen den Seiten 20 bis 30 gelistet. Da muss einer schon viel Geduld aufbringen, um mich zu finden.


Insofern kam mir das Angebot dieses SEO-Fachmanns (SEO steht übrigens für Suchmaschinenoptimierung) gerade recht.  Ich kopierte also - für kleines Geld - den von ihm angebotenen HTML-Code. Parallel dazu wollte der SEO-Typ für die Links sorgen, die auf www.deppimweb.de verweisen. Verlinkungen, so sagte er, bringen besseres Google-Ranking. Die richtigen Keywords dazu hätte ich in meinem Code.


Lange tat sich nichts. Das grämte mich zunächst nicht, wusste ich doch, dass die Google-Robots eine Weile brauchen, bis sie sämtliche Deppenseiten durchforstet haben. Doch dann kam der Schock: Bei „Depp“ ist meine Seite inzwischen gar nicht mehr gelistet. Nichtmal mehr hinten. Als ich in meiner Verzweiflung „Depp“ und „Web“ gemeinsam eingab, tat Google einfach so als hätte ich mich verschrieben und zeigte mir Seiten über „Deep Web“ an.

Ich lud meinen geballten Frust bei dem SEO-Trottel ab. Was die Scheiße solle? Ob er gedenke, mir mein kleines Geld zurückzuüberweisen? Wo er seinen SEO-Führerschein gemacht habe?  

Jetzt schrieb er mir zurück. Google habe seine Richtlinien geändert. Begriffe, die negativ besetzt wären und als Beleidigung aufgefasst werden könnten, würden nicht unterstützt. Deswegen gebe es zu „Depp“ auch nur 34 Seiten, obwohl minütlich irgendwer im Netz als Depp bezeichnet würde, in Österreich übrigens noch häufiger als in Deutschland. Ob ich meine Seite nicht in „Sepp im Web“ umbenennen wolle? Für kleines Geld könne er mir gerne die entsprechenden Anpassungen vornehmen und mich zur Nummer 1 machen.

Nichts da! Erst spionieren sie uns aus, wo es geht, und dann wollen diese Ami-Konzerne uns auch noch unseren gut eingeführten Wortschatz wegnehmen.

Sepp, so weit kommt es noch!