Wie mich die Musikindustrie zum Kleinkriminellen machte

 

Wenn der heimische Rechner schon so ein schönes CD-Fach und zwei oberfidele Lautsprecher besitzt, möchte man das auch benutzen. Beim Surfen ist Musik schließlich ganz nett. Sie beruhigt die Nerven, wenn die Leitung mal wieder überlastet ist, und spricht in ihren besten Momenten etwas an, von dem viele gar nicht wissen, dass sie es haben: die Seele. Soweit die Theorie. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Copy-Control heißt der Übeltäter, der dem Seelenheil im Weg steht. Das haben Sie, liebe Denglisch-Gegner, sicher sowieso schon am Namen erkannt. Bei mir (Depp!) dauerte es dagegen etwas länger.


Auf den Musik-CDs stehen nämlich jede Menge kryp-tische Zahlen, Zeichen und Striche drauf, da dachte ich mir bei dem kleinen Copy-Control-Logo erst einmal nichts. Erwartungsfroh steckte ich die soeben erstandene CD in den Rechner. Aber anstatt für musikalisch unterstütztes Netzvergnügen zu sorgen, wollte das Gerät plötzlich nicht mehr. Es reagierte weder auf Klik-ken oder gutes Zureden noch auf Schläge gegen den Prozessor. Nicht mal die CD ließ sich auswerfen. Nur den Stecker konnte ich ziehen, um wenigstens die Stromkosten zu minimieren.


Mit Hilfe von Freunden und einer Büroklammer bekam ich es erst Tage später wieder hin. Der Grund für den Absturz, so erfuhr ich, sei der Kopierschutz, der sich hinter dem Namen Copy-Control verbirgt. Da hatte die Phonoindustrie nun einem braven CD-Käufer jede Menge Nerven und etliche Stunden Lebenszeit geklaut. Mal ganz abgesehen von den 15 Euro, die ich für eine CD geblecht habe, die ich nicht mal hören kann … Nun ja, so wurde ich schließlich zum Kleinkriminellen.


Wie, was, Sie verstehen das? Sie wollen diesen Weg auch mitgehen? Es denen heimzahlen? Nicht auf Musik verzichten, auch wenn sie umsonst ist? Bitteschön! Aber auf Ihre Verantwortung! Um sich Musik im handlichen und in Erlangen entwickelten MP3-Format (wir unter-stützen die heimische Wirtschaft!) herunterladen zu können, brauchen Sie erst einmal ein entsprechendes, meist kostenlos im Netz erhältliches Tausch-Programm. Am besten gehen Sie zunächst auf die Adresse www.netzpiloten.de und begeben sich dort auf die Tour mit dem Namen »mp3-downloads«. Dann müssen Sie bei Kazaa, Grokster oder Limewire nur noch den Anleitun-gen folgen und hoffen, dass die Stücke, die sie haben wollen, gerade im Angebot sind.


Manch freundlicher Musiker stellt auch freiwillig was ins Netz. Das kann man sich dann sogar ganz legal und ohne Tausch-Programm auf seine Festplatte laden. Ein großes Angebot solcher Titel bietet www.tonspion.de, dort gibt es auch eine – allerdings eher kleine – Klassik-Abteilung.


Wer sich jetzt Sorgen macht um die »armen Künstler« (wobei die kopierkontrollierten Musiker meist ohnehin schon gut verdienen), der kann ja an die Künstlerso-zialkasse spenden. Ich gehe schon mal mit gutem Bei-spiel voran und überlasse meine unspielbare CD dem Verband der Deutschen Phonoindustrie. Wenn’s mit dem Abspielen bei dem auch nicht klappt, soll er sich mal die 15 Euro zurückholen…