Es wird alles öde enden

 

Computer sind böse. Viereckige Augen soll man von ihnen bekommen. Nicht selten Übergewicht. Unvorteilhafte Hornbrillen wachsen einem auf der Nase. Freunde und der Bezug zur Realität verabschieden sich. In krassen Fällen wird man sogar ein widerwärtiger, hässlicher Zeitgenosse, der bei Nordbayern.de gegen die Netiquette verstößt.


Gegen uns Computerbenutzer wird viel gelästert. Manches hat sich als richtig, vieles als falsch erwiesen. Deswegen werden immer neue Geschütze aufgefahren.  Neulich habe ich in einem zwangsgebührenfinanzierten Abendgelaber ein Argument gehört, das mich aber doch ins Grübeln brachte:


Es droht der Verlust der Langeweile.


Langeweile, das wusste ich bisher nicht, ist nämlich der Ursprung aller Kreativität. Weil Kinder sich langweilen, erfinden sie Spiele oder allerlei Schabernack. Weil Erwachsene sich langweilen, schreiben sie Bestseller oder gehen wenigstens in die Sky-Bar und finden den Partner fürs Leben.


Am Anfang war also nicht das Wort, am Anfang war die Langeweile. Selbst Gott muss sich wohl  gelangweilt und dann schnell die Welt erschaffen haben.


Der Computer kommt hingegen vom Teufel. Denn er schafft die Langeweile ab. Nur noch Halligalli vor dem Monitor. Nur noch witzige YouTube-Filmchen. Immer ist jemand zum Spielen da. Immer findet sich ein Depp, der sich mit einem selbst über abartigste Themen unterhält. Und wenn gar nichts geht, kann die Surferin ja noch bei Zalando nach Schuhen gucken.


Freilich: Wenn das alles stimmt, dann kommt nichts mehr Neues nach, weil aus Mangel an Langeweile keinem mehr etwas einfällt. Dann steht sie wieder auf. Stärker als je zuvor. So lernen wir:


Die Langeweile stirbt nie.


Wenn ich also mal wieder in einem öden Vortrag, in einem endlosen Konzert oder vor einem drögen Stück Papier sitze, dann werde ich daran denken: Die wollen alle nur meine Kreativität fördern.


Im Augenblick sitze ich allerdings noch vor dem Computer.