Wer braucht Quallen und Ratten?

 

Eigentlich bin ich eine gespaltene Persönlichkeit - und das ist gut so. Ich kann Gedrucktes lesen, aber auch Texte auf dem Bildschirm. Ausdrucken muss ich letztere nicht. Wenn ich was auf Papier besitze, merke ich mir das nämlich keineswegs besser. Umgekehrt brauche ich die Verweise aufs Internet in Druckerzeugnissen ebenfalls nicht. Wenn ich auf dem Klo oder im Zug sitze, habe ich selten einen PC nebendran stehen, auf dem ich Zusatzinformationen aufrufen könnte.


Offenbar halten mich einige deswegen für geisteskrank. Der Mensch soll ein ganzheitliches Wesen sein, soll in sich ruhen und seine Widersprüche auflösen. Analog und digital gehören daher miteinander verknüpft. Das hat was mit Psychologie zu tun. Deshalb haben sie eine Verknüpfung erfunden, die  aussieht, wie jene Klecksbilder, mit denen Irrenärzte herausfinden, ob man unglücklich in seine Englischlehrerin verliebt war oder sich vor Quallen und Ratten ekelt. Vielleicht kommt daher der Name QR-Code.


Auf Plakaten, in Zeitungen, ja sogar auf Grabsteinen gibt es diese seltsamen quadratischen Muster. Einmal habe ich mein Handy auf ein solches angesetzt. Es sah nämlich aus wie ein nackter Frauenhintern. Doch die Enttäuschung war groß, auf dem Display erschien ein Link zur Webseite von REWE.  Die hätte ich mir bei Interesse auch googeln können. Das wäre allemal einfacher gewesen als erst die Qrafter-App zu laden, diese auf meinen zahlreichen Handyseiten endlich wieder zu finden, den QR-Code mühsam mit der Kamera zu scannen, um schließlich eine derart  unwichtige URL zu erhalten.


Das soll also das Bindeglied zwischen den beiden Welten sein, die Therapie für die Analog-Digital-Schizos? Dass ich nicht lache.


Nicht ich, dieses QR-Gschmarri ist krank! Genauso gut könnte jemand auf die Idee kommen, mich zu kurieren, weil ich manchmal mit dem Fahrrad und manchmal mit dem Auto unterwegs bin - um mir dann eine Klingel ans Lenkrad zu schrauben.


Nennt euren tollen Code doch in QmS-Code um: Quatsch mit Soße!