Bitteschön, hier sind meine Geodaten!

 

Uns kleinen Lichtern gebricht es oft an Aufmerksamkeit. Niemand interessiert sich für uns. Wir sind die, „die im Schatten watten“.


Ich zum Beispiel würde heute noch im Baumarkt unbemerkt herumstehen und auf Kaufberatung hoffen, wenn ich nicht gelernt hätte, meine Unwichtigkeit in Relation zum Obi-Personals zu akzeptieren und meine Einkäufe einfach unberaten tätigen würde. Dass mir Leute wie ZDF-Intendant Markus Schächter nicht auf meine Mails antworten, in denen ich mich über die nuschelnde Frau Slomka und die Zukunft von „Wetten, dass..?“ ausgelassen habe, das erwarte ich ohnehin nicht.


Angesichts derartiger Ignoranz bin ich bereits für Spurenelemente von Zuwendung anfällig. Wenn mich zum Beispiel halbwegs freundliche Menschen anrufen, um mir etwa einen neuen Telefonanbieter oder ein Zeitschriftenabo anzudienen, kann ich schlecht Nein sagen. Dann bin ich gerührt. Erst recht, wenn die Anrufer freundlicherweise das Geld gleich selber abheben.


Ich freue mich auch, wenn Leute an meinem Leben Anteil nehmen. Dass sie zuhören, wenn ich mit anderen telefoniere, dass sie neugierig überprüfen, wo ich hinsurfe, dass sie meine Fassade fotografieren oder dass sie wissen wollen, wo ich mich gerade aufhalte. Das bauchpinselt mein Ego und gibt mir das Gefühl, nicht völlig unbedeutend zu sein. Ich lasse daher – trotz bescheidener Akkulaufzeit - immer mein Handy an. Da findet man mich, wenn ich mich verlaufe. Da weiß der Terrorfahnder, dass ich es nicht gewesen sein kann, wenn anderswo eine Bombe hochgeht. Da kann mich vielleicht auch mal jemand persönlich ansprechen und mir zuraunen: „Ach Sie sind der Depp, von dem ich schon so viel gelesen habe.“


Deswegen habe ich mich jetzt bei Foursquare angemeldet. Damit kann ich überall mit einem Klick „einchecken“ und der Welt berichten, wo ich mich gerade befinde. Da kann ich den Leuten auf Facebook oder Twitter mitteilen: „I´m at Baumarkt, Bediennixstraße.“ Dann können sie vorbei kommen und mir eventuell sagen, welche von den Halogenbirnen in meine Computerleuchte passt. Oder: „I´m at Scheißhaus, Karstadt.“ Dann wissen sie: Da ist erst einmal besetzt, und können woanders hingehen, wenn sie müssen.


Foursquare ist auf meinem Handy installiert und sucht sich von selbst den richtigen Ort. Mein Handy kann nämlich GPS und weiß daher, wo ich bin. Foursquare verbreitet das an meine Bekannten und jeden, der sich sonst noch dafür interessiert, beispielsweise den Bundesnachrichtendienst.


Aber nicht nur das. Mit häufigem Einchecken kann ich Mayor, also Bürgermeister, von bestimmten Örtlichkeiten werden. Wer zum Beispiel bei manchen Geschäften Mayor ist oder zumindest genug Punkte gesammelt hat, bekommt dort ein T-Shirt oder einen Capuccino. Eventuell wird man in Baumärkten als Bürgermeister sogar bedient. Aber das habe ich mangels Beratung noch nicht überprüfen können.


Zum Mayor habe ich es nämlich bisher nur an einer Location gebracht: „I´m at Deppenbüro.“ Da hat außer mir noch niemand eingecheckt.