Wie ich mich einmal selbst heilte

 

Ich muss ja dieses neumodische Zeug eigentlich gar nicht haben. Ich könnte meinen Lebensabend auch damit verbringen, einfach nur so dazusitzen, meine durch das Sitzen entstandenen Druckstellen zu pudern und ab und an die Thrombosestrümpfe zu wechseln.


Aber ich bin halt ein Depp und möchte dabei sein, nicht ganz abhängen und auch mal meinen ungebetenen Senf dazu geben können, wenn sich jüngere Deppen unterhalten. Zum Beispiel fränkische.


Die haben es neuerdings viel mit „Dadsch-Sgriens“. Die sollen bald die Tastaturen ersetzen. Auf Tablet-Computern, Blackberrys oder iPhones. Gibt es die. Man kennt sie aber auch von der Bank. Da muss man – bei meiner zumindest - auch immer an den Bildschirm hindadschen, wenn man sein Geld will.


Weil  ich dort bereits mehrfach erfolgreich war, habe ich mir mittlerweile so ein Dadsch-Handy zugelegt. Leider bin ich (möglicherweise war ich das aber auch schon bei der Kaufentscheidung) inzwischen dauernd krank. Aus sämtlichen Körperöffnungen tritt Flüssigkeit  aus. Zunächst dachte ich: Wirst halt auch älter. Da fehlt einem häufiger was. Deswegen sollen Senioren ja auch viel trinken: Die müssen diesen immensen Flüssigkeitsverlust ausgleichen.


Doch das stimmte nicht. Es liegt an den Dadschdingern. Weil man die überall mit hinnimmt. Weil man am Klo auch noch schnell einen Tweet absetzt.  Weil man beim Zwischenmahl ein Youtube-Video aufruft. Weil man  aus der Nase einen Fremdkörper rauspuhlt und das dann seinen Facebook-Freunden vermeldet. Und weil man vor allem: dazwischen seine Finger nicht wäscht. Hat man ja schließlich nicht gelernt. „Nach dem Klo und vor dem Essen, Hände waschen nicht vergessen“, hieß das. Von „vor dem Touchscreen antatschen, Seife auf die Hände klatschen“ war nicht die Rede. Woher soll unsereiner das also wissen.


Monatelang habe ich also diese Bakterienschleuder mit mir herumgetragen und mich wahrscheinlich immer wieder  infiziert. Gerade wenn man eine komplexe Mail schreiben muss, griffelt man sich - zur Förderung des Denkprozesses - schon gern mal im Gesicht herum und prompt landet die Keimladung im Auge, im Mund - und wenn man Pech hat, bekommt man auf seine alten Tage noch eine Geschlechtskrankheit.


Um mein Dauer-Verrotztsein zu beenden, bin ich sofort ins Sanitärgeschäft, habe mir Einmalhandschuhe zum keimfreien Andadschen besorgt und jede Menge keimtötende Reinigungsmittel. Die habe ich über den Touchscreen geschüttet. Genug um alle Bakterien zu killen. Leider erkenne  ich nun auf dem Dadschdingens kaum noch was. Jetzt kann ich damit zwar nicht mehr twittern, bin aber auch nicht mehr krank. Ich kann also sagen: Seit der Reinigungsaktion läuft bei mir nichts mehr.


Aber schon regt sich wieder der Depp in mir. Vielleicht sollte ich mal an der Kloschüssel lecken.


Peter Viebig