Wenn Deppen herumprollen

 

Als Depp kommt man manchmal weiter im Leben. Da fängt man immer wieder bei Null an und ist deswegen nicht vorbelastet. Zum Beispiel, wenn man den Wunsch hat herumzuprollen, anzugeben, die anderen kurzfristig sprachlos zu machen.

Früher meinte ich, dazu bräuchte ich einen Porsche Cayenne oder einen Ferrari Testarossa. Doch da erntet man statt Sprachlosigkeit nur noch Mitleid: »Der Arme, den müssen doch die Benzinkosten auffressen, und am Ende bekommt er nicht mal die 2500 Euro Abwrackprämie.« Wir Deppen hassen bekanntlich nichts so sehr wie Mitleid und haben daher längst etwas Besseres gefunden, das zwar auch nicht ganz billig ist, aber doch weitaus erschwinglicher als so ein Sportwagen: das iPhone.

Manche glauben ja, es heiße EiPhone, weil die Eier davon kaputt gehen, wenn man es in die Hose steckt. Es heißt aber I-Phone. I wie ICH. Denn: ICH bin mir damit selbst genug. Der Partner hat ausgedient. Selber schuld, wenn er nicht so knuddelig ist. Außerdem kann er sich ja über ICQ, Facebook oder Twitter melden, wenn er was von mir will.

Im Internet mit Tausenden von Leuten kommunizieren, das geht alles mit dem iPhone: Von überall kann man posten, twittern und, wenn es sein muss, auch ess-emm-essen. Aber mal ehrlich: SMS kann doch jeder.

Mit ein paar nachgerüsteten Extras (sogenannten Apps) wird das Ich-Teil aber erst wirklich zum Deppen-Tool. Ich habe zum Beispiel eine eingebaute Bierzapfanlage, für das virtuelle Helle am Abend (man bleibt fahrtüchtig und muss nachts nicht raus), zudem einen Bar- und Restaurantfinder, ein Rezepteprogramm und eine Melodiensuchmaschine. Wenn ich irgendwo unterwegs bin, bleiben keine Fragen mehr offen.

Neulich saßen wir mal bei einem halben Analogbier beisammen und rätselten, wie denn die drei Söhne von Ben Cartwright aus der TV-Serie hießen.  Ich zog mit einem eleganten Schwung mein iPhone aus dem Halfter, strich einmal hier, einmal da über das Display und sagte nach nicht einmal einer Minute: »Adam, Eric und Little Joe, und der chinesische Koch, falls das noch jemand wissen will, hieß Hop Sing.« Die anderen waren da erst einmal geplättet. Früher hätten uns solche Fragen stundenlang beschäftigt, bis in die Nacht hinein hätten wir rumgerätselt, vielleicht noch Leute, die auch keine Ahnung haben, gefragt, und wären dann, ob dieser ungelösten Probleme, ganz schlecht eingeschlafen. Das hat jetzt ein Ende.

Aber anstatt sich zu freuen, dass nun endlich Zeit für das Wesentliche bleibt, fängt meine Umwelt zunehmend an, herumzunerven: »Steck dein Scheiß-Handy weg!«, »Schau mich an, wenn du mit mir sprichst!«, »Wäre schön, wenn du mich auch mal so kraulen würdest wie dieses Ding da.«

Ich weiß gar nicht, was die wollen. Beim nächsten Mal werde ich ihnen eine weitere Errungenschaft zeigen: Ferrari fahren auf dem iPhone. Mit Originalmotorengeräusch, aber ohne Benzin. Da wird ihnen die Klappe runterfallen. Ich muss aber schnell machen, in den Läden steht nämlich schon das neue iPhone. Und wenn die anderen mitbekommen, dass ich noch das alte habe, kommt doch wieder Mitleid dabei raus. iGitt!