Trinken wir noch ein Glaserl Wein!

 

Wenn ich schon mal einen Gedanken habe, dann will ich ihn breit unters Volk streuen, damit möglichst viele anerkennend nicken und sagen: »Hey, der ist ja gar nicht so doof, wie er aussieht.« Aus diesem Grund habe ich jede Menge technischer Vorkehrungen getroffen, damit es – falls mich mal die Muse küsst – nicht daran scheitert, dass ich den Geistesblitz nicht festhalten und verbreiten kann. Einmal ist mir nämlich schon die Weltformel zugeflogen. Die war eigentlich so einfach, dass ich dachte, ich könnte erst einmal eine Runde schlafen und sie dann aufschreiben. Als ich aufwachte, war sie jedoch weg und wollte mir einfach nicht mehr einfallen.

Das soll mir nicht wieder passieren. Jetzt liegen auf meinem Nachttisch immer ein Aufnahmegerät und ein Schreibblock. Auch im Internet habe ich bereits Plätze eingerichtet, die ich nur zu füllen brauche, wenn in meinem Hirn der Blitz einschlägt.

Jedoch: Es schlägt nichts ein. Die Muse hat sich offenbar bei der Weltformel verausgabt. Nicht einmal für interessante Schwänke aus meinem Leben reicht es. Als ich neulich ein Glaserl Wein in diese Leere kippte, hatte ich wenigstens so etwas Ähnliches wie einen Einfall. Bei dem Wein handelte sich um einen »Edlen von Mornag«, den ich aber vergleichsweise günstig bei meinem Discounter erstehen konnte. Er hatte eine angenehme Süße und einen nicht zu verachtenden Alkoholgehalt. Schreib doch etwas über Wein, die Weltformel kommt dann von ganz allein! So dachte ich und ließ mich spontan von einer bekannten Suchmaschine inspirieren – sofort schwappten mir »Weintagebücher« (Blogs) in großer Fülle entgegen. Offenbar betreibt jeder zweite Rentner in Deutschland ein Weinblog. Sogar »Wein-Vlogs« gibt es. Da verkostet einer vor der Kamera und wird dabei immer redseliger. In den USA ist ein Weinhändler damit richtig berühmt geworden: Gary Vaynerchuck. Der liefert täglich ein neues 15-Minuten-Video, schüttelt Gläser, schnüffelt, trinkt, spuckt und behauptet, mit dem passenden Essen dazu könne man sich auch billigen Wein schöntrinken. Ich kann’s nicht nachprüfen, denn die Weine, die Vaynerchuck anpreist, bekommt man hier nicht. Beim »Edlen von Mornag« habe ich immerhin ähnliche Erfahrungen gemacht: Wenn man dazu Gummibärchen nascht, steigert dies den Ess- und Trinkgenuss.

Aber mit meiner Idee war es Essig. Ich fürchte mittlerweile sogar, dass mir Google auch die Weltformel zerschossen hätte. Möglicherweise war es nämlich doch a2 + b2 = c2, und das hat wohl schon irgend so ein Depp entdeckt.