Eine neue Kerbe auf der Bettkante

 

Dauernd jammern macht Falten und ist vielleicht ein Zeichen für Durchblick und Intelligenz. Doch das alles muss ich nicht haben. Ich verstehe ohnehin nicht, warum Leute immer behaupten, früher sei alles besser gewesen. Früher waren höchstens sie besser. Ich war damals schon genauso gut wie heute.


Als das mit dem Web losgegangen ist, habe ich als erstes www.kostenlos.de zu meinen Favoriten im Internet-Explorer hinzugefügt und sogar als Startseite eingerichtet. Und immer wenn irgendwo ein Preisausschreiben lief, habe ich teilgenommen. Unerwünschte Werbung bekam ich nie, nicht mal die üblichen Spams. Ich war nämlich nicht so blöd, meine richtige E-Mail-Adresse anzugeben. Bei der Postadresse habe ich selbstverständlich ebenfalls geschummelt, beim Alter sowieso. Gewonnen habe ich allerdings auch nie.


Dafür konnte ich aber massenhaft Musik kostenlos herunterladen und meinen Computer um jede Menge Programme bereichern, für die andere später einen Haufen Geld bezahlt haben. Alles dank kostenlos.de


Erst neulich habe ich wieder etwas umsonst bekommen. Ein Super-T-Shirt, selbstentworfen, frei Haus, ohne Nebenwirkungen und Folgewerbung.


Zwar nicht ganz kostenlos, aber immerhin erheblich billiger als im Laden erhält man im Netz auch vieles. Zum Beispiel beim Paten. Da gibt es supergünstige Gerätschaften, jedes Teil aber bloß einen Tag lang. Zuschlagen kann man allerdings nur als Gang-Mitglied. Das wird man einfach unter www.schutzgeld.de


Man gibt dem Paten, dem Chef von schutzgeld.de, nur die Daten und schon kann man für fast nichts LCD-Bildschirme, DVD-Recorder oder ein Taschen-Sudoku kaufen. Alles wird übrigens immer im voll krassen Gangster-Slang angepriesen, so dass man erst einmal denkt, da ist etwas nicht ganz sauber, das ist alles nur geklaut. Stimmt aber angeblich nicht.


Mit meiner Anti-Spam-Taktik kam ich trotzdem nicht weit. So habe ich leider den von mir gewünschten Hotspot-Finder für nicht mal 20 Euro nicht erhalten. Dabei wäre der angeblich sogar umprogrammiert gewesen. Der hätte neben WLAN-Hotspots, an denen ich mich drahtlos ins Internet einloggen kann, auch »wollüstige Frauen« angezeigt. Der Eros, ein italienischer Mitarbeiter des Paten, hat das Gerät entsprechend eingestellt. »Das ist sehr praktisch, weil man so nur Frauen ansprechen muss, die gierig auf ›Liebe machen mit Mann‹ sind. Da spricht der Eros die Frauen nur kurz an und schon kann er wieder eine neue Kerbe in das Bett kratzen«, schrieb der Pate auf seiner Homepage.


Mein Bett ist zwar aus kratzfestem Metall, trotzdem dachte ich: Cooles Gerät, das muss ich haben. Dummerweise konnte es nicht zugestellt werden. Die Adresse sei falsch, meinten die Leute vom Paten. Wenn ich so weiter mache, dann fliege ich aus der Gang raus.


Jetzt hab ich denen kleinlaut meine richtige Anschrift gegeben. Täglich hoffe ich, dass das Gerät wieder im Angebot ist. Dann schlage ich krass zu. Danach werde ich sofort mit dem Hotspot-Finder draußen die Lage abchecken. Damit die Frauen dabei gleich wissen, mit wem sie es zu tun haben, ziehe ich zum Abchecken mein selbstentworfenes Gratis-T-Shirt an, auf dem steht nämlich: »Depp 2.0«.