Schnell zur Sache kommen

 

Gerade wir Deppen verlieben uns ja gerne zwischendurch mal. Doch dabei haben wir oft ein Problem: Uns fehlen die Worte. Na gut, irgendetwas mit »Schmetterlingen im Bauch« würde uns gerade auch noch einfallen. Aber erstens zieht das nur noch ganz selten, und zweitens handelt es sich in solchen Fällen oft um »schwere hormonelle Unwetter in tieferen Körperregionen«.


Da ist guter Rat teuer, denkt da mancher Depp und fürchtet, wieder mal nichts geregelt zu bekommen. Aber da ist er falsch gewickelt. Rat und Hilfe gibt es nämlich ganz billig im Internet. Ganz umsonst werden einem unter den Adressen www.liebste.de (an Frauen) oder www.liebster.de (an Männer) die passenden Liebesbriefe geschrieben. Ums Formulieren muss sich der Verliebte keine Gedanken machen, das erledigt der Computer. Lediglich den Namen des oder der Angebeteten muss er eingeben, ein paar persönliche Details und die Art, in welcher der Brief geschrieben werden soll. Kann ja sein, dass man sich noch siezt, dann ist wohl die Stilrichtung »geschäftlich distanziert« angebracht. Wenn man dagegen lieber schneller zur Sache kommen will, dann ist »leidenschaftlich«, »direkt« oder »sehnsüchtig« die richtige Wahl. Dazu will der virtuelle Poet wissen, was der oder die Liebste besonders gern trinkt, in welchem Kleidungsstück man ihn oder sie be-vorzugt sehen möchte und welches Körperteil einen am meisten beeindruckt.


Dann spuckt er so schöne Sachen aus wie:


»Liebste Deppin in Spe,

keine Frau, die ich jemals kennen lernte, war so umwerfend wie Du. Ich kann es kaum mehr erwarten, bis ich endlich Champagner aus Deinem Bauchnabel schlürfen darf. Ich möchte auch gerne Deine Schultern, Knie und Lippen küssen, besonders wenn Du vorher Knoblauch gegessen hast.«


Das ist übrigens die leidenschaftliche Version.


Manchen Frauen, wie beispielsweise meiner Bekannten,

ist so etwas aber offenbar viel zu indirekt. Die gab bei »besonders erwähnenswertes Körperteil« einfach »Pimmel« ein. Der sei bei dem von ihr auserkorenen Typen schon «ziemlich imposant«, meinte sie.


Als sie dann aber den virtuellen Poeten anwies, den Brief zu verfassen, kam eine Fehlermeldung mit der Überschrift: »Ungeeignete Wortwahl«, und darunter ganz fett und mit Ausrufezeichen das böse Wort »Pimmel«.


Bei mir zierte sich der Poet nicht so. Die von mir anstelle der Schultern nachgebesserte »Muschi« lief anstandslos durch. Vielleicht weil der Stoiber seine Frau auch so nennt.


Ach ja: Den fertigen Brief kann man schließlich mit Blumenbildchen und schmeichelnder Musik per Mail verschicken. Wobei das seine Tücken haben kann. Der vom »zauberhaften Lächeln« einer Partybekanntschaft entflammte Engländer Joe Dobbie wurde nämlich jetzt weltweit bekannt, als sein Liebesbrief von der Angeschriebenen – beziehungsweise deren Freundinnen – im Internet einem Millionenpublikum zur Belustigung präsentiert wurde. Der Arme schreibt sicher so bald keinen mehr. Ich sandte meinen Brief, nachdem ich das gelesen hatte, dann auch nicht ab. Muss doch nicht jeder wissen, wo ich am liebsten hinküsse. Da bleibe ich lieber unglücklich, als dass ich mich in aller Öffentlichkeit zum Deppen mache.