Spaß ohne Risiken und Nebenwirkungen

 

Mein Freund Werner hat ein neues Auto. Jetzt rennt er überall herum und gibt damit an. Was sie alles kann, die Karre, und dass sie bloß 25.000 Euro gekostet hat.


»Ich hab einen Firefox, der kann noch viel mehr und hat gar nix gekostet«, habe ich dem Trottel geantwortet. Da hat er erstmal Augen gemacht und Ruhe gegeben. Firefox? Davon stand doch gar noch nichts in der ADAC-Motorwelt? Fragend starrte er mich an und schien zu denken: »Kostenlos, wer gibt denn einem Deppen wie dem was umsonst?«. Werner, müssen Sie wissen, ist eine virtuelle Null, ein Altdenker. Der hat sich schon in der Schule Formalin in den Kopf pumpen lassen, damit sein Hirn immer so bleibt, wie es ist. Ich hingegen bin hirnmäßig flexibel, nach oben wie nach unten. Und deswegen klebe ich nicht an altmodischen Fortbewegungsmitteln und solchen Produkten wie dem Internet Explorer, nur weil ich mal viel Mühe aufbringen musste, um letztlich doch nie ganz hinter dessen Bedienung zu steigen.


Den Internet Explorer habe ich jetzt zugunsten von Firefox entsorgt. Den kann man umsonst bei www.mozilla-europe.org/de herunterladen. Doch das ist nur der bescheidene Anfang. Dann geht es nämlich erst richtig los. Der neue Browser (»Ist das nicht ein halbfertiger Wein aus Österreich?«, meinte Schwachkopf Werner, als ich das Wort erwähnte und er seine Sprache wieder gefunden hatte) kann nämlich mit zahlreichen Extras aufgebrezelt werden; unter »Erweiterungen« sind sie bequem zu besichtigen und bei Gefallen herunter zu laden. So kann man Firefox etwa vom Design her an den Computer und die Zimmereinrichtung anpassen. Man kann sich Uhrzeiten aus der ganzen Welt einblenden und von heraufziehenden Unwettern warnen lassen. Wenn ich will, spielt Firefox auch immer meine Lieblingsmusik beim Surfen. Natürlich lassen sich auch Chat-Programme einbauen. Zum Beispiel habe ich mich hier schon mit dem Google-Roboter unterhalten. Während analoge Chatter sonst bei solchen Gelegenheiten gerne ihre Scherze mit mir treiben, geleitet mich der Google-Roboter beim Thema »Schwachsinn« auf die mir bislang unbekannte Seite www.schwachsinn-verteiler.de. Jetzt weiß ich endlich, wo der ganze lustige Krempel herkommt, den einem Kollegen und andere humorige Zeitgenossen gerne per E-Mail schicken, damit man auch mal was zu lachen hat.


Doch auch wenn ich mit »willigen Frauen aus der Nachbarschaft« chatten oder in bestimmten Foren meine vom Mainstream oft abweichende Meinung verbreiten will, dann brauche ich künftig keine Angst vor Spams mehr zu haben. Neulich erst hatte ich bei AOL einen Chatraum für über 50-jährige Grenzdebile betreten und nur mal kurz Hallo gesagt. Seitdem habe ich mein bisher fast verwaistes E-Mail-Fach kaum noch wiedererkannt. Mindestens 20 E-Mails pro Tag gingen da plötzlich ein. Neben billigen Uhren wurde mir die ganze Palette an frei verfügbaren Arzneimitteln, vor allem Viagra, angeboten. Die wissen, was der Depp über 50 braucht. Was sie aber nicht wissen: Ich habe mich von dieser vollgemüllten E-Mail-Adresse inzwischen verabschiedet. Schließlich besitze ich jetzt Firefox und da gibt es Wegwerfadressen. Die gelten nur sechs Stunden lang. Dann ist Schluss. Für die Anmeldung zu irgendwelchen halbseidenen Geschichten langt das. Die Spams gehen ins Leere und man ist trotzdem drin. So soll es sein: Spaß ohne Risiken und Nebenwirkungen.