Überflüssiges muss weg

 

Je weniger man hat, desto weniger kann kaputt gehen. Bei mir ging beispielsweise immer der Drucker kaputt. Alle halbe Jahre brauchte ich einen neuen. Beim alten waren entweder die Düsen verstopft, die Walzen verdreckt oder irgendwelche Fremdkörper in der Mechanik. Hin und wieder wollte der Drucker auch plötzlich nicht mehr mit dem Computer kooperieren. Das kostete mich Nerven, Geld und meistens auch die gute Laune.


Seitdem ich mich entschlossen habe, keinen Drucker mehr zu verwenden, geht es mir viel besser. Das Teil benötige ich gar nicht wirklich. Bilder schicke ich zum Drucken zu Agfa, Texte hänge ich an die Mails an und wenn ich jemandem was schreiben will, dann mache ich das wieder mit der Hand. Ist eh persönlicher.


Mit meinem Druckerverzicht habe ich mich sozusagen gesundgeschrumpft. Für diesen Schritt musste ich allerdings erst alt und lebenserfahren werden.


Hellere Köpfe erkennen schon in jungen Jahren die Vorteile des Ballast-Abwerfens. Zum Beispiel Helmut Kranz, ein vor allem im Internet bekannt gewordener Vorreiter der gezielten Gesundschrumpfung. Helmut Kranz ist Vorsitzender des Vereins »Die jungen Humorlosen«. Der Verein hat erkannt, dass Humor zu nichts nutze ist. Er steigert nicht das Sozialprodukt, er fördert nicht die Karriere, und er zeugt auch keine Kinder. Nicht mal schlank macht er, denn die Folgen des Humors sprechen allenfalls völlig unbedeutende Muskeln im Gesicht an, wo die Fettbildung nicht so ausgeprägt ist und wo durch Witze höchstens zusätzliche Falten entstehen.


»Wir gehen nicht zum Lachen in den Keller, wir finden Lachen prinzipiell albern und lassen es daher ganz«, erklärt uns Helmut Kranz auf seiner Homepage (www.rasputin.de/Humorlos). Kranz erzählt auch davon, wie er eines Tages vom Humor geheilt wurde und danach im Büro seinen mit einem faden Scherz aufwartenden Kollegen abkanzeln konnte: »Mach lieber deine Arbeit vernünftig, statt hier blöd herumzuquatschen.«


Unter der Adresse rasputin.de finden sich übrigens noch weitere Hinweise, wie wir Ballast abwerfen und unser Leben stringenter gestalten können. Zum Beispiel auf der Website von Dr. Peter Brot, einem angeblich bekannten Hirn-Chirurgen. Der hat herausgefunden, wo das Böse im Gehirn sitzt und kann es mit einem operativen Eingriff entfernen. Auf seiner Website hat er viele Dankesschreiben von erfolgreich operierten Patienten aufgelistet.


Ich war ganz beeindruckt. Dennoch kann ich mich noch nicht zu einer Operation aufraffen. Irgendwie habe ich nämlich Angst, mir den Kopf aufmeißeln zu lassen. Dabei ist Angst auch so ein Ballast, der dem Leben die Stringenz raubt. Sollte ich mal wegschmeißen. Ich weiß nur noch nicht wie und in welche Tonne.