Liebes Tagebuch

 

Kennen Sie das? Kein Schwein interessiert sich für einen. Wenn man ein paar Erlebnisse aus seinem Leben erzählen will, tun alle beschäftigt, behaupten, sie hätten »üüüüberhaupt« keine Zeit und verschwin-den irgendwohin. Also brabbelt man schlimmstenfalls seine Erkenntnisse in die analoge Atmosphäre, die aber wieder einmal »üüüüberhaupt« nicht zuhört.


In der digitalen Welt ist das anders. Da werde ich meinen Krempel los – und zwar, seitdem ich stol-zer Besitzer eines »Weblogs« bin. Das ist ein Internet-Tagebuch. In das schreibe ich solche Sachen rein wie: »Gestern habe ich mir…«


Aber das wollen Sie hier wahrscheinlich gar nicht lesen, Sie Printmedien-Konsument, Sie analoger!


Da erzähle ich Ihnen wohl lieber, wie ich zu meinem Weblog, abgekürzt Blog, gekommen bin.


Das geht nämlich supereinfach. Kann jeder Depp, also auch ich. Und kosten tut es auch nicht unbedingt etwas.


Sie surfen beispielsweise auf die Adresse www.blogg.de, www.myblog.de oder www.typepad.com. Dort geben Sie Ihre Daten ein. Also E-Mail-Adresse, unter welchem Namen Sie auftauchen wollen und wie Ihr virtuelles Tagebuch gestaltet sein soll. Dazu bekommt man ein paar Vorgaben geliefert und sucht sich einfach das Passende aus. Über sich selbst kann man auch ein paar Angaben machen. Man sollte sich gleich noch ein »Moblog« anlegen, damit geht alles total bequem: Jeden neuen Eintrag ins virtuelle Tagebuch kann man dann nämlich per E-Mail schicken.


Ich habe also gleich an meine neue »Moblogadresse« geschrieben: »Gestern habe ich mir…« Aber das interes-siert Sie wahrscheinlich immer noch nicht.

Wichtig ist natürlich auch, dass man sein Blog bei möglichst vielen Leuten bekannt macht. Auch dazu steht einiges in der Anleitung. Außerdem gibt es ver-schiedene Kategorien, und wenn ich was Neues schreibe, etwa zum Thema Deppenwesen, dann bekommen das alle mitgeteilt, die am Deppenwesen interessiert sind. Die können mir, wenn sie wollen, einen Kommentar dazu schicken. Der taucht ebenfalls in meinem Blog auf.


Zu meiner ersten Meldung habe ich gleich einen sol-chen bekommen. Ha, und nun kann ich Sie doch noch damit belämmern!


Die Meldung lautete: »Gestern habe ich mir eine Wagner-Kochbeutelpizza warm gemacht. Danach war mir schlecht.« Da hat mir einer als Kommentar dazu geschrieben: »Das ist eine Gefrierpizza und keine Koch-beutelpizza: Die Folie musst Du vor dem Backen entfer-nen.«


Guter Tipp, seitdem wird mir nicht mehr schlecht.