Das Haus, das Verrückte macht
Vor einem Jahr habe ich einen Riesenfehler begangen. Ich habe mir von einem „Telekom-Subunternehmer“ einen Glasfaservertrag aufschwatzen lassen. Seitdem wurde zwar die Straße in mehreren Versuchen auf- und wieder zugebuddelt. Auch eine GF-TA-Dose klebt seit Herbst an der Wand. Inzwischen habe ich sogar - trotz anders lautender Zusagen - auf eigene Kosten ein Kabel im Haus verlegen lassen. Trotzdem läuft alles noch über DSL. Genauso schnell wie früher, nur zehn Euro pro Monat teurer.
Dabei habe ich zur Fehlerbehebung jede Menge Lebenszeit in den verschiedenen Telekom-Hotlines zugebracht. Ohne Erfolg.
Aber immerhin habe ich dabei einige Erkenntnisse gesammelt, die ich hier gerne zum Besten geben will. Schließlich ist die Telekom eines der größten Kommunikationsunternehmen der Welt und da sollte man schon wissen, wie die Kommunikation der Zukunft aussehen soll.
Zunächst ist da eine ziemlich anspruchsvolle KI zu überwinden. Mal will sie die Festnetznummer wissen, mal die IBAN, dann wieder die Kundennummer. Beim nächsten Anruf soll man während des Gesprächs die Rufnummer eintippen, unter der man zuletzt angerufen hat. Ach so, eine Auftragsnummer gibt es auch noch, die ebenfalls mitunter verlangt wird. Am besten: Vor dem Anruf alles auf einen Zettel schreiben, plus Name und Adresse. Die KI schafft es nämlich, dass man mit seinen guten Manieren letzteres auch noch vergisst.
Inzwischen habe ich aber herausgefunden, dass man einfach „Beratung“ brüllen muss, dann klinkt sich die KI aus und ein echter Mensch geht ran.
Mit dem echten Menschen wird es dann allerdings auch nicht einfacher. Der ist erstmal meistens nicht zuständig und reagiert auch nicht auf einfache Sachverhaltsdarstellungen, sondern nur auf Buzzwords. Wenn man beispielsweise öfter mal „Störung“ sagt, schicken sie vielleicht jemanden vorbei. Ansonsten muss man froh sein, wenn sie einen nicht beschimpfen, weil man sich nicht kooperativ genug verhalten hat.
Um Zeit zu sparen und nicht jedes Mal auszurasten, hätte ich mich viel lieber schriftlich geäußert. Per Mail ist bei der Telekom aber niemand mehr zu erreichen. Stattdessen wird einem allenfalls noch ein Videocall angeboten. Bei dem hatte ich zum Schluss aber auch meinen Namen vergessen.
Wahrscheinlich müsste ich für den nächsten Versuch mein Zimmer magentafarben streichen, auf einem Altar ein Gigaset-Telefon platzieren und einen Subunternehmer beauftragen, Geduld zu bewahren und mehrfach „Beratung“ oder„Störung“ zu rufen. Eventuell geht dann sogar Telekom-Chef Timotheus Höttges ran und ich kann endlich in Highspeed surfen.