Blattspinat ist alle!

 


In letzter Zeit werde ich öfter gefragt, wie man sich als Rechnerbesitzer vor Schnüffelantentum schützen könne. „Als Rechnerbesitzer?“, frage ich dann gern. „Bist du sicher, dass du den besitzt?“ Mitleidsvoll werde ich dann oft angeschaut und darauf verwiesen, man habe eine Quittung und diese sogar beim Finanzamt eingereicht.



Insofern bin  ich dem Papst dankbar. Er ist mir beiseite gesprungen und hat deutlich gemacht, dass der Computer eigentlich nicht bei den Werbungskosten angesetzt werden sollte, sondern der Schenkungssteuer unterliegt.



Wörtlich hat er gesagt:  „Das Internet ist ein mit Risiken behaftetes Gottesgeschenk.“  



Doch auch aus einem anderen Grund bin ich für dieses päpstliche Diktum dankbar.  Dadurch wissen wir nämlich endlich, wo wir Gott suchen müssen.



In Maryland.



Die NSA hat nämlich ihren Sitz in Marialand. Selbst einem Deppen geht da ein Licht auf.



Immer schon wussten wir, dass Gott alles sieht und selbst  in die geheimsten Ecken und sogar bei Hempels unters Sofa schauen kann. Dass er dafür im PC eingebaute Kameras und Mikrophone nutzt, mag manchem Gläubigen vielleicht profan vorkommen. Aber warum sollte Gott nicht moderne Technik nutzen? Und warum sollte er nicht unter dem Namen NSA agieren? Gott kann alles. Sogar, sich als Schlapphut tarnen.



Der Atheist mag nun entgegnen: Mich spioniert der nicht aus. Er akzeptiere dieses Geschenk nicht und dem iPhone entsage er auch.



Doch: Nur weil man sich die Augen zuhält, ist man nicht weg. Schon mal was vom „Internet der Dinge“ gehört? Nein? Gottesgeschenke gibt es mittlerweile nämlich überall! Im Auto zum Beispiel, in der Kaffeemaschine, im Stromzähler, im Smartfernseher oder im Rauchmelder. Nicht zu vergessen: im Kühlschrank. Inzwischen wurde bekannt, dass Kühlschränke sogar Mails verschicken.



Wenn also demnächst der Bofrostmann vor der Tür steht und sagt: „Blattspinat ist alle!“, dann bekommt der Begriff „göttliche Eingebung“ gleich eine ganz neue Bedeutung.


 

 

 


Kauf dir halt was Neues!

 


Wahrscheinlich hätte man ihn noch reparieren können. Aber gehen Sie mal mit einem 12 Jahre alten Laptop zu einem PC-Bastler. Der grummelt nur: Kauf dir halt was Neues! 12 Jahre ist für einen Computer so alt wie 120 Jahre für einen Menschen. Mindestens. Mit so was schließt man keine Leasingverträge mehr ab.



Dabei war mein alter bis zu seinem plötzlichen Ableben noch voll auf Zack. Gut, ich habe eine WLAN-Karte nachgerüstet und Arbeitsspeicher. Aber sonst: Ich konnte Texte schreiben, ins Internet... Das teuer erworbene Photoshop lief noch oder all die netten Zeitvertreiber, die sich ohne Netzzugang und Steam-Mitgliedschaft spielen ließen.  Und geklaut hat einem das verkratzte Ding auch keiner. Im Wirtshaus konnte ich es liegen lassen, wenn ich aufs Klo musste. Manchmal kam sogar ein den Neuerungszwängen erlegener Zeitgenosse vorbei und schwärmte mit traurigen Augen: „Ach, so einen hatte ich auch mal.“



Die Trauer kann ich nachvollziehen. Neu heißt nämlich nicht unbedingt verbessert. Nur anders und komplizierter. Allein um meinen Notebook-Nachfolger überhaupt in Betrieb nehmen zu können, musste ich beispielsweise jede Menge blöder Fragen beantworten. Wie lautet der Geburtsname deiner Großmutter? Hä? Was war dein erstes Haustier?  Ich habe in meiner Jugend Massentierhaltung mit Ameisen betrieben, aber geht euch das was an? Was war dein Lieblingsessen als Kind? Hmm, schreibt man jetzt Grießbrei mit scharfen S oder mit zwei S? Scheis-Rechtschreibreform!



Und so ging es dann noch eine Weile weiter. Sicherheit kann man gar nicht groß genug schreiben. Ganz nebenbei legte ich damit einer, sich erfolgreich ums Steuerzahlen drückenden, Computerfirma auch noch mein ganzes Leben offen. Und warum? Nur damit ich meine ID wieder herstellen kann, wenn ich mal das Passwort vergessen habe. Das kann ich aber schon deshalb kaum vergessen, weil ich es jedes Mal brauche um diesen ultraflachen und aus gebürstetem Aluminium gefertigten Laptop überhaupt in Gang zu setzen. Wenn ich nur zwei Minuten nichts tippe, geht das Teil in den Ruhezustand und das Passwort muss neu eingeben werden. Wie soll ich das da vergessen? Da vergesse ich höchstens mich.



Doch selbst wenn es mir einmal aus irgendwelchen Gründen entfallen sein sollte: Bis dahin weiß ich dann doch erst recht nicht mehr, welchen meiner früheren Spitznamen ich bei der Abfragerei eingetragen habe und ob es wirklich Grießbrei war, den ich als Kind geliebt habe. Ich mochte nämlich damals auch Pudding und Linsenpampe.



Deshalb ein guter Rat für alle, die geduldig bis hierher weitergelesen haben: Pflegt eure Altgeräte, es kommt nichts Besseres nach!                 


 

 

 


Es sind nur ein paar Buchstaben. 

Doch richtig gelesen ziehen sie dir den Boden weg!

 


Meine Freunde sind auch nicht unbedingt die Hellsten. Aber auf Facebook versorgen sie mich oft mit allerhand Unterhaltendem. Mit Videos von verkleideten Hunden zum Beispiel, mit Entenküken, die über eine viel befahrene Autobahn watscheln, mit Kajakfahrern, die auf Wale treffen oder einen Obdachlosen, der seinen Eimer an Straßenmusiker verleiht. Viele der Videos kenne ich schon, aber weil die meistens aus 2 Sätzen bestehenden Überschriften vorgeben, das Anschauen würde mein Leben verändern oder mir den Glauben an die Menschheit zurückgeben, klicke ich halt nochmal drauf. Kostet ja nichts! Außerdem will ich meine Freunde nicht enttäuschen und schuld sein, wenn sie ihren mühsam zurückgewonnenen Menschheitsglauben gleich wieder verlieren.



An die Videos kommen inzwischen auch wir Minderbemittelten leicht heran. Über die Seite heftig.co. Zwei Potsdamer haben ein Supergeschäftsmodell entdeckt, indem sie alten Plempel mit herzzerreißenden Überschriften zu Klickmonstern machen. Damit haben sie es in Deutschland zur meist geklickten Internet-Plattform gebracht. Andere beschäftigen dagegen ganze Kohorten von Jungjournalisten und schaffen es nicht mal in die Top 100.



Kein Wunder, dass  heftig.co Nachahmer findet. Aus der guten alten Sommermeldung „Exhibitionist aufgetreten“ wird dann bei der örtlichen Lokalpostille schon einmal: „Frau trifft Mann. Was sie danach sehen musste, entsetzte sie zutiefst.“  Aus einem Beide-hatten-angeblich-Grün-Unfall wird: „Vollcrash! Sie werden nicht glauben, welche Ausreden der Polizei aufgetischt werden.“ Selbst ein belangloses Ereignis in Fernost wird  plötzlich brandheiß: „Chinese lie ß Sack Reis stehen. Es wird Sie überraschen, was dann passierte.“



Inzwischen gibt es bei Facebook Spielverderber, die den Gag verraten und Heftig.co so um die Klicks bringen. „Der ist halt umgefallen“, schreiben sie dem Minderbemittelten in sein Facebook.



Mich können solche Spaßbremsen freilich nicht beirren. Das wollte ich schon immer mal sehen, wie ein Sack Reis umfällt. Dauernd liest man davon. Aber, Hand aufs Herz, gesehen hat das doch noch keiner von uns.      


 

 

 


Bloß keine Stressen!

 


Woran merken Sie, dass Sie alt werden? Wenn Ihnen niemand mehr zuruft »davon wirst du unfruchtbar«, sobald Sie Ihr Handy in die Hosentasche stecken!


Mit dem Handy verhält es sich wie mit dem darin enthaltenen Internet: Auch beim großen Datennetz dürfen Sie als so genannter Silver-Surfer Ihre Bedenken zurückstellen. Welcher Arbeitgeber sollte sich denn noch über Bilder aufregen, auf denen Sie besoffen unter dem Tisch liegen? Auch die üblichen Terroristenklischees dürften auf Sie kaum zutreffen. Bei Ihnen spart sich doch jeder Geheimdienstler die Mühe, selbst wenn Sie Worte wie »Allah« und »Bombe« in ein und derselben Mail verwenden.


Es gehört zu den Segnungen des Alters, nicht mit nervtötender Dauerskepsis im Netz herumgurken zu müssen. Im realen Leben mögen wir vielleicht nicht mehr gut zu Fuß sein, im Internet sind wir es dafür umso besser. Die jungen Surfbehinderten können einem da fast schon leidtun.


Doch halt: Ein bisschen Vorsicht sollten wir dann doch walten lassen. Neulich erhielt ich zum Beispiel eine Mail, in der mir ein Managerjob zur Aufbesserung der Rente angeboten wurde. »3500 Euro plus Bonus« wurden da in Aussicht gestellt Die Arbeitszeit sei frei planbar, der Job also ideal für Leute, »die von den Stressen, der Hektik und der Konkurrenz loskommen möchten«. Ich war schon drauf und dran zuzusagen. Da kam es mir: Wovon soll ich loskommen? Den Stressen? Hatten die sich verschrieben und meinten verstopfte Strassen oder die Fressen, die meine Kollegen spazieren tragen?


In solchen Fällen frage ich lieber mal nach. Selbstzweifel mögen zwar karrierehinderlich sein, hier tun sie Gutes. Beim Googeln stieß ich schnell auf einen netten Zeitgenossen, der ein ähnliches Schreiben der selben Firma erhalten hat. Inzwischen wurde er wegen Geldwäsche verurteilt. Irgendwelche Hacker hatten ein paar Tausender von einer Bankkundin auf sein Konto umgeleitet. Er sollte die Summe bar abheben, 20 Prozent behalten und den Rest an die Firma überweisen. Die besitzt jetzt das Geld, er musste 90 Tagessätze à 50 Euro abstottern.


Meine aktuelle Deppenbotschaft lautet also: Lassen Sie sich nicht stressen, besonders nicht von Leuten, die Sie von Stressen befreien wollen!


 



 

 


 

 

 

 

 


 

 

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