Altfränkisch im Netz unterwegs

 


Hin und wieder regt sich meine soziale Ader. Da unterhalte ich mich ganz gerne mit anderen Menschen. Über dies und jenes. Hauptsache: Kommunikation.



Leider ist dann oft keiner da, der sich unterhalten will. Was also tun?



Betagtere unter uns erinnern sich vielleicht noch an eine bewährte Methode in solchen Fällen, die altfränkische Gesprächseröffnung (AGE). Und die geht so: Bei Festivitäten sitzen Franken gerne stumm herum und glotzen in ihr Bier. So lange bis es zurück glotzt. Dann glotzen sich Franke und Bier erst eine Weile gegenseitig an, bis das Bier nachgibt und ausgetauscht werden muss. Irgendwann entdeckt dann ein Festteilnehmer seine soziale Ader und haut seinem Nachbarn einfach mal eine in die Fresse. Der Effekt: Das Glotzen hat ein Ende, die Kommunikation beginnt.



Inzwischen ist diese Form der Gesprächseröffnung aus der Mode gekommen. Aus anderen Kulturkreisen zugezogene Ordnungshüter können damit nichts anfangen und kriminalisieren jeden, der auf diese Weise für Kurzweil sorgen will.



Im Internet ist das anders. Da läuft das schließlich körper- und gewaltlos ab. Wenn ich da meinen Sozialen habe, dann gehe ich auf eine Zeitungswebseite und schreibe dort etwa: „Was soll der Schwachsinn? Hat das ein Praktikant geschreiben? Das strotzt nur so von Fehlern.“ Ein Kommentar, der fast immer passt.



Schnell gibt es Resonanz. Die einen berichten, woanders einen Beitrag  mit noch mehr Fehlern gefunden zu haben. Die anderen schimpfen über die moderne Medienwelt. Irgendwann meldet sich meist noch der Autor, behauptet, gar kein Praktikant, sondern Redakteur im elften Semester zu sein, und erklärt einem, dass es menschlich sei, Fehler zu machen. Schon ist man mitten in der schönsten Kommunikation.



Irgendwann wird aber auch das langweilig. Da empfiehlt es sich dann, andere Foren aufzusuchen. Als Mann könnte man zum Beispiel auf Feministinnenseiten gehen, um dort etwas zum Thema Einparken abzusondern. Nicht schlecht ist auch, in einem Techblog über Denglisch abzulästern,  oder einfach, ganz egal wo, ein gutes Wort für die FDP einzulegen. Viel Freude bereitet auch, in einem Forum von Borussia Dortmund von den Königsblauen zu schwärmen. Eigentlich gibt es fast auf jeder Webseiten etwas, womit man altfränkisch provozieren kann. Probieren Sie es aus: Stellen Sie mal ein Bild von einem Schäufele auf eine Veganer-Seite bei Facebook, oder loben Sie einen Puma-Schuh bei den Adidas-Fans, Der Bayerische Rundfunk freut sich auch jedesmal, wenn Sie Antenne Bayern frischer finden und in einem Android-Forum die Vorzüge des iPhones zu preisen kommt ebenfalls gut.



Man muss allerdings aufpassen. Zunehmend passiert es nämlich, dass jemand sagt: „Das ist ein Troll, bitte nicht füttern!“ Dann ist es vorbei mit der Kommunikation, dann wird man ignoriert und hat sich ganz umsonst die Finger wund getippt. Doch auch dagegen gibt es ein Mittel. Man kann nämlich seine Identität wechseln und sich dann scheinheilig darüber aufregen, was es für penetrante Nervensägen auf der Welt gibt und warum die hier überhaupt eine Plattform finden und nicht gleich gelöscht werden.



Und schon ist wieder ein Tag rum und man hat sich gut unterhalten.  



 

 


Pinterest ist was für Dürre

 


Das, was Sie hier lesen, sind Buchstaben. Rein optisch sind sie wenig attraktiv. Einfarbig, eintönig, gerade male 59 Zeichen, nur unterschiedlich angeordnet, das kann einen schon anöden.



Deswegen musst das wohl kommen: Pinterest. Da geht es um Bilder. Die sagen bekanntlich mehr als 1000 Worte und sind auch meist schöner, bunter, abwechslungsreicher. Aus diesem Grund hängen wir wohl auch keine Buchstaben-Kombinationen an die Wand.



Pinterest setzt sich aus den Worten Pin und Interest zusammen. Man pinnt da also vermeindlich Interessantes auf seine Seite und andere können das dann angucken, gut finden und weiter verteilen.



Natürlich habe ich mich auch angemeldet. Pinterest ist nämlich hip (angesagt). Doch obwohl ich seitdem meine Kamera immer im Anschlag halte, ist mir noch nichts Verbreitungswürdiges untergekommen. Außer dem Männerklo der Gaststätte Wurm, wo es zum Zwecke der Urintrennung Pissbecken gibt,  über denen „Limo“, „Bier“, „Wein“ oder „Schnaps“ steht. Ich würde übrigens noch eines für Spargelesser hinhängen, schon aus Geruchsgründen. Aber so ein Vorschlag überfordert die Pinterester offenbar – wahrscheinlich schon wegen der Textmenge. Deswegen habe ich auch keine Reaktion darauf bekommen.



Pinterester ist allerdings der falsche Begriff. Es muss eigentlich Pinterestinnen heißen, handelt sich bei den NutzerInnen, wie ich mittlerweile herausgefunden habe, doch hauptsächlich um Frauen. Gut. Präsident Barack Obama ist – genau wie seine Frau Michelle - auch bei Pinterest. Aber der will halt nicht bloß von Männern gewählt werden. Also stellt er hin und wieder Bilder ein. Von seiner Frau, von seinen Töchtern, aber auch von Keksen. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass er Kekse besonders gerne mag oder ob er meint, bei Pinterest müsse man Essensbilder einstellen.



Das machen nämlich viele. Manche scheinen überhaupt nur zu kochen, um Fotos auf Pinterest hochladen zu können. Nach dem Fotoshooting schmeissen sie das - ohnehin kalt gewordene - Essen weg. Wie ich da drauf komme? Bei Pinterest gibt es neben Essen viel Haut und Knochen zu sehen. Da ist ein regelrechter Wettbewerb ausgebrochen, wer dünner ist, bei wem man die Rippen oder die Wadenknochen deutlicher erkennt. Je dürrer desto pinteressanter.



Nein, meins ist das nicht. Und nicht bloß weil ich keine Frau bin.



Ich koche nämlich um zu essen.



Aber ein bisschen ärgern sollte ich die Pinterestinnen vielleicht doch. Ich weiß auch schon, was auf meinem Bild drauf sein wird.



Kalte Buchstabensuppe!




Mitteillungen ins Nichts

 


Wenn ich unterwegs bin, habe ich immer mein Phone dabei. „Entschleunige dein Leben!“ wird mir daher geraten, oft auch verbunden mit der Warnung vor den gesundheitlichen Folgen des Allzeiterreichbarseins.



 „Nur falls Fragen auftauchen“, antworte ich meist kleinlaut und weise daraufhin, dass ich das Klingeln abgestellt habe: „Pull, nicht push!“ Das spreche ich meist fränkisch aus, um nicht noch mehr als anglophiler Klugscheißer beschimpft zu werden.



Meine Mitmenschen verstehen mich trotzdem nicht. Eventuell mag das daran liegen, dass die meisten von ihnen schon fast so alt sind wie ich. Im Alter ist man halt nicht mehr so leicht zu begeistern. Auch nicht n für elektronische Hilfe im Alltag. Selbst wenn diese grandios einfach sind. Zum Beispiel für Whatsapp.



Die App haben inzwischen noch mehr Leute auf ihre Smartphones geladen als die Facebook-App. Pro Tag werden inzwischen etwa zehn Milliarden Nachrichten mit  Whatsapp übertragen. Ich habe das kleine Messengerprogramm auch, schließlich kostet es (fast) nichts und schließlich brauche ich immer wieder neuen Stoff für diese Kolumne. Nur: Wenn keiner meiner Bekannten es benutzt, bringt Whatsapp leider nichts. Mit Whatsapp Kurzmitteilungen, Videos, Bilder oder Tondokumente verschicken, funktioniert nämlich nur, wenn der andere auch Whatsapp geladen hat. Zwar kann ich meine Telefonkontakte zu Whatsapp einladen. Aber da spielen meine Kontakte nicht mit. Die erzählen mir dann nur, die Spammer würden jetzt immer dreister und behaupten sogar, ich zu sein.Was soll ich da machen?



Dabei hat Whatsapp inzwischen sogar sein Verschlüsselungsproblem gelöst. Selbst aus dem Ausland kann sich der Nutzer ohne Gebühren mit seinen Freunden austauschen. Gegen Whatsapp sieht jedes Telefon alt aus. Die App signalisiert nämlich, ob ich gerade schlafe, arbeite oder beim Essen bin und im Augenblick lieber in Ruhe gelassen werden will. Trotzdem muss ich nicht gleich rangehen und antworten, sondern kann das erledigen, wenn ich Lust darauf habe. Völlig entschleunigt!  Bull, nicht Busch!



Aber das versteht wahrscheinlich wieder keiner.



 

 


Wer braucht Quallen und Ratten?

 


Eigentlich bin ich eine gespaltene Persönlichkeit - und das ist gut so. Ich kann Gedrucktes lesen, aber auch Texte auf dem Bildschirm. Ausdrucken muss ich letztere nicht. Wenn ich was auf Papier besitze, merke ich mir das nämlich keineswegs besser. Umgekehrt brauche ich die Verweise aufs Internet in Druckerzeugnissen ebenfalls nicht. Wenn ich auf dem Klo oder im Zug sitze, habe ich selten einen PC nebendran stehen, auf dem ich Zusatzinformationen aufrufen könnte.



Offenbar halten mich einige deswegen für geisteskrank. Der Mensch soll ein ganzheitliches Wesen sein, soll in sich ruhen und seine Widersprüche auflösen. Analog und digital gehören daher miteinander verknüpft. Das hat was mit Psychologie zu tun. Deshalb haben sie eine Verknüpfung erfunden, die  aussieht, wie jene Klecksbilder, mit denen Irrenärzte herausfinden, ob man unglücklich in seine Englischlehrerin verliebt war oder sich vor Quallen und Ratten ekelt. Vielleicht kommt daher der Name QR-Code.



Auf Plakaten, in Zeitungen, ja sogar auf Grabsteinen gibt es diese seltsamen quadratischen Muster. Einmal habe ich mein Handy auf ein solches angesetzt. Es sah nämlich aus wie ein nackter Frauenhintern. Doch die Enttäuschung war groß, auf dem Display erschien ein Link zur Webseite von REWE.  Die hätte ich mir bei Interesse auch googeln können. Das wäre allemal einfacher gewesen als erst die Qrafter-App zu laden, diese auf meinen zahlreichen Handyseiten endlich wieder zu finden, den QR-Code mühsam mit der Kamera zu scannen, um schließlich eine derart  unwichtige URL zu erhalten.



Das soll also das Bindeglied zwischen den beiden Welten sein, die Therapie für die Analog-Digital-Schizos? Dass ich nicht lache.



Nicht ich, dieses QR-Gschmarri ist krank! Genauso gut könnte jemand auf die Idee kommen, mich zu kurieren, weil ich manchmal mit dem Fahrrad und manchmal mit dem Auto unterwegs bin - um mir dann eine Klingel ans Lenkrad zu schrauben.



Nennt euren tollen Code doch in QmS-Code um: Quatsch mit Soße!  


 

 




 

 


 

 

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